Ich wollte eigentlich mit Absicht nichts Genaues übers Stimmen schreiben. Nun gibt's
aber in der grossen, weiten Welt einige Dudelsackfans, die schon eine Pipe haben. Selbst
gekauft, als Geschenk bekommen
und einige von ihnen haben stark
eingeschränkte Möglichkeiten sich mit Pipern zu treffen. In der Hoffnung, das
der Dudelsack etwas taugt, hier einige Anleitungen, wie das Teil gestimmt werden kann.

Ich gehe ich davon aus, dass es eine Schottische, also GHB ist, welche gestimmt werden
soll.
Die GHB hat 3 Bordunen (Drones) und eine Schalmei (Chanter).
Das Chanter-reed ist ein Doublereed (2 einzelne Blätter).
Die Drone-reeds sind Single-reeds (Normalerweise ein eingekeiltes, aufgehebeltes
Schilfröhrchen. Drone-reeds gibt's aber auch aus Plastik, Holz usw.)
Tuning der Pipe:
Zuerst wird der Chanter gestimmt, danach die Bass- Bariton- Drones (ggf. Tenordrone).
Chantertuning:
Chanter aus der Pipe nehmen, Reed (im Chanter belassen) befeuchten * (wird normalerweise
abgeleckt), kräftig reinblasen. Der Chanter sollte nun Töne von sich geben,
spielbar sein.
* Handelt es sich beim Dudelsack um einen Blasebalg-Geblasenen, dürfen die Reeds
nicht angefeuchtet werden!!
Ein zeitloser Lacher ist der Rat, Reeds in Whisky, Aguardente, oder sonstige
Schnäppse einzulegen. Nur mit Glück nimmt das Reed dabei keinen Schaden. Der Rat
kommt wohl daher, dass die so eingelegten Reeds von den Pipern meist ausgiebig abgeleckt
werden. Also, diesen Unfug bitte nicht machen, und den Schnapps lieber gleich so trinken
;-)
... und: Nein, Alkohol hat erst ab etwa 65% eine desinfizierende Wirkung!
Was sagt der Piper, der Einen trinken möchte?
Richtig! "Ich geh' mal eben das Reed frisch einlegen!"
Spielt der Chanter nicht, gibt es 4 Möglichkeiten
- Es wird zuwenig stark geblasen
- Das Reed ist geschlossen (an der Oberseite zu) und muss geöffnet werden.
- Das Reed ist zu weit offen und muss etwas geschlossen werden
- Das Reed ist an den Seiten geöffnet und oder kaputt

Das Reed wird nun so eingestellt, dass es spielt.
Das spielende Reed im Chanter positionieren.
Den Chanter nun gegen ein Stimmgerät oder einen zweiten, gestimmten Chanter stimmen:

- Das Reed etwas aus dem Chanter heraus ziehen, macht den Chanter länger, also den Ton
tiefer. Dazu wird ein Faden/Garn oder etwas Papier (unschön) verwendet.
- Das Reed etwas tiefer in den Chanter versenken, macht den Chanter kürzer, also den
Ton höher.
- Wird das Reed etwas geöffnet werden die Schwingungen der Blättchen
grösser, also der Ton tiefer.
- Wird das Reed etwas geschlossen, schwingen die Blättchen schneller, der Ton wird
höher.
Fortgeschrittenes Tuning am Chanterreed:
Achtung: Diese Änderungen sind nicht mehr Rückgängig zu machen!
Hinweis: Änderungen dieser Art macht man erst kurz vor dem Wegwerfen eines Reeds!!
Tipp: Diese Änderungen nicht machen!!!!!!
Abschleifen der flachen Reedstellen in der Reedmitte oder an Reedkopf.
Reedmitte: der Ton wird etwas tiefer und weicher
Reedkopf: der Ton wird etwas höher und weicher
Kürzen des Reeds: Das Reed wird um 0,5 bis 1,0 mm gestutzt. Der Ton wird höher
und härter.
Der Chanter ist nun grundgestimmt und wird in die Pipe eingesetzt. Den Chanter nun mit der
Bag (also nicht mehr direkt mit dem Mund) spielen und so die Grundstimmung kontrollieren
und allenfalls korrigieren. Das Stimmen des Chanters über das Reed ist nun
abgeschlossen.
Stimmen des Chanters:
Die verschiedenen Töne, die der Chanter spielt, können je nach Qualität des
Chanters und Beschaffenheit des Reeds etwas verstimmt sein. Durch Abkleben mit Tesafilm,
kann ein entsprechender Ton korrigiert werden. Bei guten Chantern ist das mit einem
einzigen Kleber, oder sogar ohne, geregelt. Anstatt mit Tesafilm kann auch mit einem
weichen Wachs (z.B. dem der Edamerkäseverpackung) das Loch etwas zugewachst werden.
Wird das Loch von unten her verkleinert, wird der Ton etwas leiser, wird das Loch von oben
her verkleinert, wird der Ton tiefer.
Der Chanter ist nun gestimmt (hoffentlich) ;-)

Nun werden die Drones gestimmt.
Tuning der Drones:
Die Bassdrone (tiefster Ton) wird als erste gestimmt, dann die erste Baritondrone, danach
die 2. Bariton- oder ggf. Tenordrone
Beim Stimmen der Bassdrone können die beiden anderen Drones gestoppt werden, indem
man mit dem Finger auf die Öffnung am Dronekopf tippt. Geht das nicht, kann die
Öffnung mit einem Korken oder einem Tesafilm verschlossen werden. (Geübte Piper
können die Drones auch stimmen, wenn die anderen verstimmt spielen. Für den
Anfang ist es aber einfacher die noch ungestimmten Drones zu stoppen.)

Die Drones haben 1 oder mehrere "Züge". Die Züge müssen dicht
sein und sollten mindestens so gut halten, dass die Drone beim Spielen nicht in sich
zusammenrutscht. Durch Ausziehen der Drones werden diese länger, der Ton wird tiefer.
Simmen der Dronereeds:
- In der Drone muss das richtige Dronereed platziert sein.
- Das Dronereed muss fest in der Drone sitzen.
- Das Dronereed muss etwas geöffnet sein (ein wenig!) dass es spielen kann
- Zuweit geöffnete Dronereeds können mit einem Faden oder Garn 2x umwickelt und
verknotet werden. Das Garn kann auf der Länge des Reeds verschoben werden, bis die
Zunge des Reeds die richtige Öffnung hat. Am Reed saugen, ein brummendes Singen zeigt
den Erfolg an.
Geschlossene Reeds können auf 2 Arten geöffnet werden.
Schilfreeds immer zuerst anfeuchten (ablecken) * - Die Zunge (das Blatt) vorsichtig anheben bis die Spannung etwas nachlässt. (Nicht
anheben bis es bricht!!!)
- Ein Haar oder Fischergarn kann unter das Blatt gezogen werden, um so das Blatt etwas
anzuheben.
* Handelt es sich beim Dudelsack um einen Blasebalggeblasenen, dürfen die Reeds nicht
angefeuchtet werden!!
Die Drone nun in den Bag einsetzen und gegen den Chanter stimmen.
Achtung: Die GHB (Great Highland Bagpipe) braucht einen Schag auf den Bag um die Drones
richtig zu starten. Erfolgt dieser nicht, brummen die Reeds in der falschen Tonlage und
das Teil ist nicht stimmbar. Anfänger, die den Schlag noch nicht beherschen,
können die falsch spielenden Drones korrigieren, indem ein Finger auf das Loch der
spielenden Drone so aufgelegt wird, dass diese fast verschlossen wird. Kurz vor dem
Verschliessen wechselt das Reed dann die Frequenz. Wird das Reed dabei versehentlich
verschlossen, kann mit dem Finger geploppt werden (wie bei einer leeren Bierflasche) um
die Drone erneut zu starten.
Nun spielen also Chanter (gestimmt) und Bassdrone!
(Rechtshänder haben am Chanter die linke Hand oben und die Rechte unten.)
Mit der linken Hand die obersten 2 Löcher vorne und das Loch hinten am Chanter
verschliessen. Nun solange die Drone an den Zügen mit der rechten Hand
verlängern oder verkürzen bis der Ton gleichmässig und angenehm ist.
Erkennbar ist dies dadurch, dass kein oingoingoing ~~~~ Geräusch mehr entsteht. Die
Stimmung der Drone nun gegen die 2 tiefste Note, die der Chanter spielt (dabei ist nur
noch das Loch des kleinen Fingers der rechten Hand am Chanter offen.) kontrollieren und
allenfalls korrigieren.
Die Drone ist nun gestimmt!

Analog der Bassdrone werden nun die beiden anderen Drones gestimmt.
Mei, jetzt töönt's scheen :-)
Da sich beim Stimmen und Spielen die Reeds an Feuchtigkeit und Temperatur anpassen und
dabei verstimmen, muss der Dudelsack nach ein paar Minuten nachgestimmt werden. Beim
Nachstimmen werden meist nur noch die Drones nachgestimmt. Wenn man das Ohr an die Drone
legt findet man schnell(er) raus, welche verstimmt ist, und kann so leicht und schnell
nachstimmen.
Viele Piper spielen ihre Pipe zuerst an. Einige Töne, bis zu mehrere Minuten werden
so gespielt, und die Stimmung immer etwas korrigiert. Ist die Pipe mehr oder weniger
stabil, wird feingestimmt.
Pipes die regelmässig gespielt werden, sind stabiler als Pipes die nur einmal im
Monat gespielt werden.
Und mein Tipp zum Schluss: Versucht Euch mit einem Piper zu treffen, der die ganze Sache
vor Ort erklären kann. Jemand, der Euch zeigen kann, wie das mit den Reeds
läuft, denn geschriebene Erklärungen sind manchmal etwas ungenau.
Eine weitere sehr interessante Tuning Page in englischer Sprache hier: www.hotpipes.com/tuning.html
 | Bei Fragen und / oder Anregungen schickt mir bitte eine EMail.
Helft mir bitte mit folgenden Informationen weiter:
Schreibt mir um welchen Dudelsacktyp es sich in eurer Frage handelt!!
Schreibt mir bitte mit einem Namen, dass ich euch ansprechen kann.
Schreibt mir bitte woher ihr kommen (Stadt ist cool, Region reicht aber auch).
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