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Ein Schnupftabak Vortrag
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Diesen Vortrag erarbeite ich aus diversen Büchern über Tabak. Ich hielt ihn
während meiner Berufslehre. Das Herumreichen der Tabakdosen, mit der Aufforderung zu
probieren, hob die Stimmung im Klassenzimmer ganz erheblich.
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Tabak
Tabak kann man auf viele verschiedene Arten verwenden. Man gebraucht ihn als Zierpflanze,
macht heisse Umschläge mir ihm, raucht ihn, schnupft oder kaut ihn. Die grössten
Tabakverbraucher der Geschichte waren die Schnupfer, deshalb soll hier auch von ihnen die
Rede sein. Die grössten Erfindungen verdankt der Mensch dem Zufall. So z.B. das
Schiesspulver. Viele Entdeckungen machte seine Faulheit. Das Rad zum Beispiel. Und etwas
verschämt müssen wir eingestehen: Nicht wenige Errungenschaften des Menschen
sind Produkte seiner Dummheit. So sind wir z.B. zum Porzellan gekommen, weil ein ganz
Schlauer Gold machen wollte - und zum Schnupftabak, weil eine Frau nicht ganz bei Trost
war.
Von seiner vierten Amerikaexpedition brachte Kolumbus Tabakpflanzen nach Portugal. Vierzig
Jahre nach der ersten Anpflanzung in Europa machte der Botaniker Damian de Goes in
Lissabon wissenschaftliche Untersuchungen mit dem Tabak. Er fand heraus, dass Tabak
Wunden, krebsartige Geschwüre und sonstige fressende Schäden" heilte.
Zufällig, oder wie es die Weltgeschichte bisweilen arrangiert, schickte die
Franzosen-Königin Katharina von Medici anno domini 1560 den Diplomaten und
Wissenschaftler Jean Nicot als Gesandten an den königlichen Hof nach Lissabon. De
Goes Wundertaten waren dort Tagesgespräch. Die gelehrten Doctores an der Universidad
de Sevilla verordneten die nassen Tabakblätter gegen Magenkrampf, Würmer,
Verstopfung, Husten und Mutterbeschwerden. Mit Erfolg wie es hiess.
Am Hofe in Paris lebte in dieser Zeit eine vielgerühmte Schönheit, die
Gräfin von Ruffe. Diese aufregende Dame musste eines Nachts der Teufel oder Gott
weiss wer geküsst haben - jedenfalls hatte die Gräfin eines schönen Tages
ein fürchterliches Geschwür im Gesicht. Puder und Pomaden, nicht einmal die
führnehmsten Ärzte" konnten Abhilfe schaffen..
Wie alle Franzosen ein Freund des Schönen - sandte Nicot Tabaksamen und einige
Pflanzen samt Gebrauchsanweisung nach Paris. Es half. Die Gräfin zeigte sich wenige
Wochen nach der Tabakkur mit makellosem Teint in der, von andächtigem Staunen,
ergriffenen Öffentlichkeit.
Das ging wie ein Lauffeuer durch ganz Frankreich. Das Kraut, von dem niemand wusste wie es
hiess, nannte man Kraut des Gesandten". Jean Nicot wurde weltberühmt. Nach
ihm wurde später der Wirkstoff Nicotin benannt.
Katharina von Medici schickte einen Brandbrief nach Lissabon: Nicot, schickt mir das
Wunderkraut für meinen Sohn!".
Jean Nicot, ein getreuer Diener des Herrn, gehorchte und schickte auf portugiesischem
Boden gediehene Tabakblätter nach Paris. In seinen Gebrauchsanweisungen empfahl der
Gesandte nicht nur Umschläge mit feuchten Blättern; auch vom Saft der
grünen Pflanze und von Aufgüssen aus geriebenen Tabakblättern versprach er
grosse Therapieerfolge.
Irgendwie muss die alte Königin jedoch ihren Gesandten missverstanden haben. Oder sie
wusste es einfach wieder einmal besser. Die schrullige Dame, die so hässlich wie die
Nacht finster gewesen sein soll, erfand einen völlig neuen Tabakgenuss: Sie
verabreichte ihrem Sohn Franz II., der an Kopfschmerzen litt, geriebene Tabakblätter
gleich löffelweise. Kein Wunder, dass sich dem Armen der Magen umdrehte.
Da ersann Katharina ein anderes Mittel. Einfälltig wie sie war, steckte sie dem
leidenden Sohn das geriebene Tabakpulver einfach in die Nase. Da geschah etwas ganz
unerwartetes: Franz nieste sich halb tot und - seine Kopfschmerzen liessen nach. Der 20
jährige König schnupfte und nieste und schnupfte und nieste ... Kurzum: der
erste Schnupfer tat genau das, was ein richtiger Schnupfer nie tut - niesen. Klar, das
Katharina die zweite war, die den Tabak so probierte. Nach ihr benannte man übrigens
den pulverisierten Tabak Jahrhunderte lang: Catharinaire.
Das lüsterne Paris machte mit dem Schnupfen den Anfang - und es machte Schule. Schon
wenige Jahrzehnte nach der denkwürdigen Geburt des Schnupftabaks schnupfte die ganze
alte Welt. Zuerst nur Könige und Fürsten, dann auch der derbe Soldat und das
modebewusste Barockdämchen. Alle nahmen sie ein Clysterium nasi", wie die
ungemein interessante Medizin genannt wurde.
Die Schnupfer waren es auch, die das Taschentuch erfanden. Es war lange Zeit das Privileg
der Könige und Fürsten und natürlich der hohen geistlichen
Würdenträgern. Der gemeine Mann konnte ruhig mit dreckiger Nase herumlaufen.
Erst viel Später wurde das Schnupfen in England mode. Doch, dann schnupften auch die
Briten , was das Zeug hielt. Charlotte, die Gemahlin König Georg III., war ob ihrer
Leidenschaft und Beliebtheit beim Volk ganz einfach die Snuffy Charlotte". Und
Lady Margaret Thompson, eine grosse Dame der Gesellschaft, liebte den Snuff so sehr, dass
sie testamentarisch verfügte, ihren Sarg nebst ihrer sterblichen Überreste mit
Schnupftabak zu füllen. Vor allem vergesst nicht", lautete der Letzt Wille
der skurrilen Lady, mir genügend Taschentücher für das Jenseits
mitzugeben".
Alle Welt beneidete damals einen Zimmermann in der Normandie, der eine Missgeburt war. Der
Beneidenswerte" soll nämlich zwei Nasen gehabt haben. Das hiess: Er konnte
gleich zwei Prisen auf einmal nehmen.
Anfangs des 16. Jahrhunderts war man sogar soweit, dass kaum jemand mehr Anstoss daran
nahm, dass die Pfaffen ihre Nasen sogar während des Gottesdienstes in ihre Tabatieren
steckten. In der Kirche niesten der Pfarrer und seine Schäfchen um die Wette. Wahre
Nieskanonen drangen von Kanzel und Chor - und schliesslich an die Ohren des Papstes.
Es war das Pech der gläubigen Schnupfer, dass gerade der Florentiner Papst Urban
VIII. kein Schnupfer war. Noch kurz vor seinem Tod schleuderte der sonst so weltoffene
Papst den Bannfluch gegen alle, die in der Kirche schnupften. So wurde der 30. Januar 1644
ein schwarzer Tag für viele Schnupfer.
Wir verbieten hiermit aus apostolischer Gewalt", sprach der höchste aller
sterblicher Geistlichen, Bei Strafe der Exkommunikation mit dem Befehl, wenn es
nötig sein sollte, sogar den weltlichen Arm zu Hilfe zu rufen allen und jedem,
beiderlei Geschlechts, sowohl Weltlichen als auch Geistlichen, dass sie fernhin nicht mehr
unterstehen, in den Kirchen Tabak zu schnupfen, zu rauchen oder auf andere Art zu sich zu
nehmen."
Die Schnupfer liessen sich nur kurz einschüchtern, den schon ein halbes Jahrhundert
später musste Papst Innozenz den Bannfluch wiederhohlen.
Doch 98 Jahre später setzte sich, aus dem sonnigen Bologna, Prosper Lambertini, als
Benedikt XIV. auf den Stuhl Petri. Welch eine Freude für die Anhänger des
pulvrigen Vergnügens! Denn ihre Heiligkeit, seines Zeichens Schnupfer, hob im zweiten
Jahr seines Pontifikats die Bulle seiner Vorgänger auf. Seither gehört das
Schnupfen zu den Päpsten wie das Amen zum Credo.
Friedrich der Grosse beschäftigte sich als erster ernsthaft mit der Frage, ob Tabak
für die Gesundheit des Menschen gefährlich sei. Vor allem wollte Fritz wissen
was schädlicher ist: Tabakrauchen, Tabakschnupfen oder Tabakkauen. So engagierte der
Preussenkönig drei gleichaltrige Armeesoldaten als Versuchskaninchen. Denn er hatte
eine einleuchtende Idee: Einer von ihnen musste" sein Leben lang rauchen, ein
Anderer schnupfte wie sein König und der Dritte sprach sein Leben lang dem Prim zu.
Friedrich der Grosse nahm an, dass der Primer zuerst ins Grass beissen würde. Er
irrte sich. Alle drei wurden uralt. Als aber ihr Stündlein geschlagen hatte, da
schloss zuerst der Raucher die Augen, dicht gefolgt vom Schnupfer, und als letzter ging
der Primer aus dieser Welt.
Zum Abschluss noch die Geldangelegenheiten: Die Republik Venedig erkannte zu erst, dass
man mit Tabak Geld machen kann. Die Venezianer sanierten mit neu erhobenen Tabaksteuern
die Staatskasse. In fünf Jahren kassierte das geschäftstüchtige
Seefahrervolk 46'000 Golddukaten.
Spanien kennt die Tabaksteuer seit 1730, Mexiko seit 1764, die
österreichisch-ungarische Monarchie kam 1851 auf diese Idee, und Italien und
Rumänien 1856.
Ende
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