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Kampf der Königinnen - Kuhkämpfe im Wallis
Stierkampf hat in vielen Ländern Europas eine lange Tradition. Portugal, Spanien, Frankreich bieten die wohl bekanntesten "Corridas", in denen Menschen gegen Tiere kämpfen. Diese Kämpfe werden hauptsächlich mit Stieren und meist blutig ausgetragen. In der Schweiz haben Kuhkämpfe eine lange Tradition. Die Schweizer lassen dabei Eringer Kühe gegen Kühe in unblutigen Kämpfen ihre hierarchischen Ränge erkämpfen.

Die Eringer-Rasse
Die Eringer, eine aus dem Val d'Hérens im Wallis stammt Rindviehrasse, ist heute nur noch im Zentralwallis und im norditalienischen Aostatal anzutreffen. Eringer sind anspruchslose, kraftvolle Rinder, die schon mit den Römern in das Gebiet des heutigen Kantons Wallis gekommen sind. Diese Rasse, die zweifelsohne ihre Abstammung von den Rinderbeständen hat, die ursprünglich den Alpenbogen bevölkerten, wird im Wallis also seit Urzeiten gehalten.

Der gesamte Viehbestand umfasst ungefähr 13'500 Tiere. In der Schweiz leben heute noch etwa 7000 Tiere dieser widerstandsfähigen, anerkannten Gebirgskuhrasse.
Sie stellen die kleinste Population der ursprünglich vier original Schweizer Rinderrassen.

Die gedrungene, breit gebaute, muskulöse und tiefstehende Eringer zeichnen sich nicht gerade als "Hochleistungs-Milchkuh" aus. Im 19. Jahrhundert wurde die Bergrasse wegen der mangelnden "Produktivität" kritisiert. Die Kühe kalben zwar leicht, geben aber wenig Milch, aus der hauptsächlich Käse hergestellt wird.

Der Kopf ist kurz und breit mit einem kräftigen Gehörn. Das Gewicht einer erwachsenen Kuh hat eine Grössenordnung von 570 kg, bei einer Widerrist Höhe von 122 cm, und einer Brustweite von 188 cm. Das Fell ist einfarbig von fahlem ziegelrot über braun-schwarz bis tief-schwarz. Die Tiere sind ausgezeichnete Läufer und bewegen sich leicht im schroffen Gelände.

Die Eringer-Haltung
Die Tiere werden nur die kurzen Wintermonate im Stall gehalten. Herbst und Frühjahr verbringen die Tiere auf Mäh- oder Mager-Wiesen in Stallnähe, sowie auf Voralpen. Während der restlichen Zeit werden die Eringerkühe ausnahmslos auf Hochalpen gesömmert.

Eringerkühe werden meistens in kleinen Familienbetrieben gezüchtet. 60% der Zuchten befinden sich über 1000 m Höhe. Mitte Mai weidet die Herde in der Maiensässzone zwischen 1300 und 1800 m, nachdem sie im Stall überwintert hat. Dann findet Mitte Juni die Alpfahrt statt. Die Gesamtheit der Herden verbringt den Sommer auf den Alpweiden zwischen 1700 und 2500 m Höhe. Die Tiere werden sowohl im Sommer wie im Winter mit Rohfutter (Gras, Heu) ernährt. Diese extensive Haltung ist sehr umweltfreundlich.

Das Eringer-Fleisch
Eringerfleisch ist kein "getriebenes" Fleisch, sondern ein naturnah produziertes, hochwertiges Nahrungsmittel. Es gilt deshalb als besondere Delikatesse und zeichnet sich durch seine Feinfaserigkeit, seine kräftige, feste und trotzdem zart Struktur, und den hohen Anteil an fettarmem Muskelfleisch aus. Auf typische Produtke basiert stört die Eringerrasse den Markt nicht.

Das Verhalten der Eringer
Diese schwarzen, kleinen, aber starken Kühe haben ein kämpferisches Temperament und den natürlichen Instinkt für eine hierarchische Ordnung weitgehend behalten. In heftigen Kämpfen, bei denen die Kühe Kopf an Kopf stehen und versuchen, die Gegnerin wegzustossen, wird die Rangordnung festgelegt. Auch bei den härtesten Kämpfen fügen sich die Tiere kaum ernsthafte Verletzungen zu.

Aus dieser Veranlagung ist eine Organisation von Ringkuhkämpfen entstanden, die viele Züchter und Zuschauer anzieht. Die Walliser Bauern lassen Kühe und Färsen (ausgewachsene weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben) in jedem Frühjahr in fünf Gewichtsklassen gegeneinander antreten und küren am Ende die Königin ("la Reine"), die ihrem Besitzer hohes Ansehen einbringt.

Entstehung der Kämpfe
Im Wallis finden heute regelmässig organisierte Kuhkämpfe statt. In regionalen Ausscheidungen und im kantonalen Finale lassen die Bauern ihre besten Tiere gegeneinander antreten, um die Königin unter den Walliser Kühen zu erküren. Diese Schaukämpfe sind Volksfeste und locken Zuschauer aus der ganzen Schweiz an. Im Kampf um den Titel der «Reine des Vaches», der Kuhkönigin, im Kanton Wallis.

Man sieht Ehringer Kühe bei verschiedenen Gelegenheiten kämpfen. Nachdem sie den Winter in ihren Ställen verbracht haben, werden sie im Frühling hinaus geführt. Die Tiere der verschiedenen Höfe werden in grössere Herden zusammengeführt, was intensive Kämpfe auslöst. Obwohl sie viele Wintermonate miteinander verbracht haben, liefern sich die Kühe nun hitzige Kämpfe, um die Königin der Herde zu bestimmen. Die Kühe wurden dazu nicht abgerichtet, zeigen also ein natürliches Verhalten.

Die stärkste Kuh, die Königin, wird den Alpaufzug und danach den ganzen Sommer die Herde anführen. Diese Aufstiege in die Alpen finden zwischen Ende Mai und während den Junimonaten statt. Es gibt übrigens so viele Alpaufzüge wie es Alpen mit Kühen gibt. Im Herbst werden die Kühe dann beim Alpabzug in die Ebene zurückgeführt. Bei dieser Gelegenheit finden ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen statt. Dabei wird die Königin jeder Alp ausgezeichnet.

Kategorien
Die Tiere werden in fünf verschiedene Kategorien eingeteilt. Die 5. Kategorie ist den Jungtieren (Färsen) vorbehalten. Sie umfasst Tiere von zweieinhalb Jahren, die noch nicht trächtig sind. In die 4. Kategorie gehören erstkälbige, von den Experten Erstmelken genannte Kühe, also Tiere, die bereits gekalbt haben.
Kühe, die bereits mindestens zwei Kälber geboren haben, werden gewogen und nach Gewicht in die ersten drei Kategorien eingeteilt. Das Drittel der schwersten Tiere, die im allgemeinen mehr als 600 Kilos auf die Waage bringen, bildet die erste Kategorie. Die leichtesten Tiere gehören der dritten, das mittlere Drittel der zweiten Kategorie an.

Ablauf der Kämpfe
Im Verlauf der Jahre sind die Kuhkämpfe strikten Regeln unterzogen worden. Zur Festlegung der Klassifizierung beobachtet und zählt eine Jury die Zusammenstösse. Ein Tier, das dreimal nacheinander verloren hat, wird ausgeschieden. Als Verliererin wird ein Tier betrachtet, das vor der Rivalin die Flucht ergreift.

Ein Kuhkampf beginnt mit den Ausscheidungen. Die Tiere jeder Kategorie werden in mehrere Gruppen zwischen 12 und 20 Tiere eingeteilt (je nach Anzahl Teilnehmerinnen). Die Gruppenbesten sind für das Finale qualifiziert. Die Tiere, die am Finale teilnehmen, werden nach und nach ausgeschieden, bis schliesslich nur noch sechs Tiere in der Arena bleiben. Jetzt kämpft jedes Tier gegen jeden einzelnen seiner Gegner. Die Jury klassifiziert diese sechs Tiere. Die Gewinnerin - jene, die all ihre Rivalinnen besiegt hat - wird Königin ihrer Kategorie.

In der Arena sind nur befugte Personen zugelassen: die sogenannten Rabatteure (Treiber). Sie sind verantwortlich dafür, dass die Kämpfe loyal ausgetragen werden. Durch ihre Interventionen vermeiden sie, dass ein dritter Eindringling die beiden Kämpferinnen stört. Sie stellen auch Tiere einander gegenüber, die noch keine Gelegenheit zur Konfrontation gehabt haben.

Die Kämpfe, welche seit 1922 im Wallis stattfinden, verursachen nur selten oberflächliche Verletzungen.

Auch im Kanton Waadt, im Aostatal und in Ober-Savoyen werden Kuhkämpfe durchgeführt. Im Wallis gibt es zusätzlich zum grossen Finale rund 12 Kämpfe im Jahr, während es im Aostatal und in Ober-Savoyen deren zwanzig sind.

Doping-Kontrollen
Alle Kühe, die sich in der Arena präsentieren, müssen trächtig sein. Während mehreren Jahren wurden an den Kämpfen Doping-Kontrollen durchgeführt. Da sich keine einzige Kuh jemals als positiv erwiesen hat, wurden diese Kontrollen eingestellt.



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